Lektion 41 - Wenn keine prophetische Zeitspanne mehr sein wird
In Offenbarung Kapitel 8 beginnt eine Kette von Ereignissen und Gedanken, die erst im letzten Teil des 11. Kapitels ihren Abschluss findet. Aber Offenbarung Kapitel 10 ist eine Unterbrechung in dieser prophetischen Kette. Die Folge der Ereignisse die unterbrochen wurde ist das Ertönen der sieben Posaunen. Dabei ist offenkundig, dass die 7. Posaune das Ende dieser Weltgeschichte kennzeichnet. Doch dieser 7. Engel wird vorerst zurückgehalten damit seine Posaune nicht erschallt solange die in Offenbarung 10 und die im ersten Teil von Kapitel 11 beschriebenen Ereignisse stattfinden. Somit sind diese Verse als Einschiebung zu betrachten, als Erklärung von Ereignissen, die unmittelbar vor Abschluss der Zeit stattfinden.
1. Was hält der Engel in seiner Hand?
Offenbarung 10,2
Anmerkung: Die Tatsache, dass das Büchlein in der Hand des Engels offen ist, lässt darauf schliessen, dass es vorher für eine gewisse Zeit geschlossen war.
2. Von welchem Buch berichtet die Bibel, dass es verschlossen war?
Daniel 12,4
Anmerkung: Das Buch Daniel ist das einzige Buch in der ganzen Bibel, von dem gesagt wird, dass es verschlossen war. Und da es bis zur Zeit des Endes verschlossen bleiben sollte, folgt daraus, dass es in der Zeit des Endes aufgetan werden musste. Wenn die Prophetie einerseits vom Zuschliessen des Buches redet, dann dürfen wir mit Recht erwarten, dass sie uns anderseits auch das Öffnen des Buches zeigt.
3. Welche Verheissung wurde dem Propheten Daniel gegeben?
Daniel 12,13
Anmerkung: Daniel wollte die Dinge die ihm gezeigt worden waren verstehen. Siehe Daniel 12,8. Aber der Engel sagte ihm, dass diese Dinge erst zur Zeit des Endes verstanden werden können. Das schloss das Versprechen mit ein, dass jene Dinge in der Zeit des Endes tatsächlich zu verstehen sind. Und der Engel gab ihm die Zusicherung, dass viele Menschen in der Zeit des Endes diese Prophezeiungen, die im Buch Daniel geschrieben stehen, verstehen werden.
4. Was sollte es von einer bestimmten Zeit an nicht mehr geben?
Offenbarung 10,6
Anmerkung: Aufgrund der Ereignisse die noch folgen sollten wird deutlich, dass damit nicht das Ende der Welt gemeint sein kann. Auch kann es nicht der Abschluss der Gnadenzeit sein, denn diese wird erst enden, wenn Christus sein Priesteramt niederlegt. Der Abschluss der Gnadenzeit wird im Zusammenhang mit dem Blasen der siebenten Posaune erwähnt. Siehe Offenbarung 11,15.19. Darum muss es sich hier um eine prophetische Zeit(spanne) handeln, die zum Abschluss kommt. Um eine andere Zeit kann es sich nicht handeln.
5. Was soll vollendet werden während der Zeit, da der 7. Engel posaunt?
Offenbarung 10,7
Anmerkung: In Epheser 1,9.10 steht geschrieben, dass Gottes Absicht, alle Dinge in Christus zusammenzufassen, das "Geheimnis" seines Willens ist. Etwas später schreibt der Apostel Paulus im gleichen Brief, dass die Verkündigung des Evangeliums ein "Geheimnis" ist. Siehe Epheser 6,19. Und in Römer 16,25 lesen wir, dass das "Geheimnis", das von Anbeginn verborgen gewesen war, die Verkündigung der Person Jesu Christi, unseres Erlösers, ist. Aus diesen Versen geht unmissverständlich hervor, dass hier der Abschluss des Evangeliumsauftrages gemeint ist. Christus hatte vorausgesagt, dass das Evangelium in der ganzen Welt verkündigt wird (siehe Matthäus 24,14). Und seine Jünger hatten von ihm selber den Auftrag hierzu erhalten (siehe Matthäus 28,16-20).
6. Welches Ereignis findet statt während das Evangelium der Welt verkündigt wird?
Offenbarung 14,6.7
Anmerkung: Die Verkündigung des Evangeliums an die Welt wie es zum letzten Mal geschieht, ist ein Aufruf an die Menschen, sich auf das im Himmel stattfindende Gericht vorzubereiten. Diese Bibelstellen zeigen uns, dass beim Abschluss der prophetischen Zeitspannen, wie sie im Buch Daniel zu finden sind, das Evangelium der ganzen Welt verkündigt wird. Diese Verkündigung beinhaltet ebenfalls die Botschaft vom nahe bevorstehenden Gericht.
Der Engel, der seine Hand zum Schwur erhoben hatte und verkündigte, dass fortan keine Zeit mehr sein sollte, wies darauf hin, dass die letzte prophetische Zeitspanne zum Abschluss gekommen ist und sich erfüllt hat. Es würde keine weitere Zeitprophezeiung mehr geben, die sich über diesen Zeitpunkt hinaus erstrecken würde. Die Menschen konnten nun auf kein zukünftiges Ereignis mehr schauen, dass den Abschluss einer noch laufenden Zeitperiode anzeigt. Das nächste Ereignis, auf das sie sich vorbereiten sollen, ist die Wiederkunft Christi.
Als die letzte prophetische Zeitspanne, die bis 1844 reichte, ihrer Erfüllung entgegenging, nahm das Interesse an der biblischen Prophetie in einem Masse zu, wie man dies vorher noch nie gesehen hatte. Weit und breit wurde die Botschaft von der baldigen Wiederkunft Christi verkündigt. In jene Zeit fällt auch die Gründung der grossen Bibelgesellschaften und die Aussendung der ersten Missionare.
7. Was sollte der Apostel Johannes mit dem Büchlein tun?
Offenbarung 10,9
Anmerkung: Das Buch zu essen bedeutet, dass der Gläubige die Botschaft annimmt. Siehe Jeremia 15,16. Die Hoffnung auf die baldige Rückkehr ihres Erlösers erfüllte die Herzen der Gläubigen mit unaussprechlicher Freude. In ihrem Munde war es tatsächlich süss wie Honig.
8. Wie wurde das vorerst süsse Büchlein empfunden, als es gegessen ward?
Offenbarung 10,10
Kurz vor Ablauf der Zeitprophezeiung der 2300 Tage im Jahre 1844 fand eine religiöse Erweckung statt. Obwohl sich diese Erweckung über die ganze Welt verbreitete, fand sie ihr grösstes Ausmass in den Vereinigten Staaten von Nordamerika und wurde weithin bekannt unter der Bezeichnung "Millerbewegung". Das nach dem Namen William Miller, dem ersten und prominentesten Prediger, der die baldige Wiederkunft Christi verkündigte aufgrund der Prophezeiung von den 2300 Abenden und Morgen aus Daniel Kapitel 8.
William Miller lag richtig in seinem Verständnis, dass die Wiederkunft Christi vor den 1000 Jahren stattfinden würde. Doch er hatte, wie die Mehrheit der Gläubigen damals, die Auffassung angenommen, dass unsere Erde das Heiligtum sei. In diesem Punkt liess er nicht von seiner vorgefassten Meinung ab und so beging er letztlich den Fehler, Jesus fälschlicherweise zur Rückkehr auf diese Erde zu erwarten.
Was die Auslegung der prophetischen Symbole im Buch Daniel und in der Offenbarung anbetraf, hatte er das richtige Verständnis. Die Daten, die er berechnet hatte, hielten jeder genauen Prüfung und jeder Kritik stand. Aber das Ereignis, das bei Ablauf der prophetischen Zeitspanne stattfinden sollte, hatte er falsch gedeutet.
Willam Miller glaubte, dass die Wiederkunft Christi nahe bevorstand. Er fühlte die Überzeugung, dass es seine Aufgabe war, sein Verständnis anderen mitzuteilen. Er begann seine Auffassung im Bekannten- und Freundeskreis darzulegen und betete, dass doch ein Prediger die Bedeutung dieser Wahrheiten erkennen und sie öffentlich verkündigen würde. Doch es fand sich niemand, der diese Aufgabe übernehmen wollte. Und so kam es schliesslich durch die göttliche Vorsehung, dass William Miller dazu geführt wurde, seine Erkenntnisse öffentlich zu predigen. Als die Gläubigen diese Prophezeiungen verstanden und annahmen, erschienen sie ihnen tatsächlich wie Honig. Die Hoffnung auf die baldige Wiederkunft Christi löste in der Tat grosse Freude unter ihnen aus. Trotz des grossen Widerstandes löste die Verkündigung von der Wiederkunft Christi in Amerika eine gewaltige religiöse Erweckung aus, die alle Denominationen ergriff. Die Erweckung führte die Gläubigen zu Einigkeit und lieblicher und freundlicher Gemeinschaft, die als "süss wie Honig" empfunden wurde.
Diejenigen, die die Prophezeiungen studierten, unterschieden zuerst nicht zwischen der Wiederkunft Christi und dem vorher stattfindenden Gericht im Himmel. Da sie die volkstümliche Auffassung angenommen hatten, dass die Erde das Heiligtum sei, verstanden sie unter der Reinigung des Heiligtums die Reinigung der Erde durch das Feuer der letzten Tage. Siehe 2. Petrus 3,10-12. Als die für die Reinigung des Heiligtums vorhergesagte Zeit am Abschluss der 2300 Tage (siehe Daniel 8 und 9) gekommen war, und ihr Herr nicht auf diese Erde zurückgekehrt war, machte sich eine grosse Enttäuschung unter den wartenden Gläubigen breit. In dem Ausmass wie sie sich zuvor gefreut hatten, wurden sie nun in ihren kühnsten Hoffnungen aufs tiefste enttäuscht. Aber die Erfahrung ihrer Enttäuschung war gerade der Beweis, dass sich die Prophezeiung genau erfüllt hatte.
Es mag nun die Frage aufkommen: Ist es möglich, dass Gott mit einem Volk arbeitet, das in Bezug auf die Botschaft, die es verkündigt, so falsch liegt?
Wenn wir in die Geschichte zurückblicken so sehen wir eine Parallele. Gleich wie die Apostel, die das Evangelium vom Reich bei der ersten Ankunft Christi verkündigt hatten, enttäuscht wurden als Jesus gekreuzigt wurde, so war es auch jenen ergangen, die die Botschaft vom zweiten Kommen Christi verkündigt hatten. Miller und seine Helfer wiesen in ihrer Verkündigung auf das Ende der 2300 Tage aus Daniel 8,14 hin [die 70 Wochen aus Daniel 9,24-27, die das erste Kommen Christi voraussagten, bilden einen Bestandteil der 2300 Tage]. Die Verkündigung der Apostel in Bezug auf die Erfüllung der 70 Wochen und die Verkündigung des zweiten Kommens im Jahre 1844 stützten sich beide auf die Erfüllung jener Ereignisse, die in derselben Prophezeiung erwähnt wurden. In beiden Fällen war die Annahme einer volkstümlichen Meinung das Hindernis zum vollen Verständnis der Wahrheit. In der Vorsehung Gottes erfüllten beide Gruppen Gottes Absicht, indem sie nämlich die Botschaften, die er ihnen aufgetragen hatte, verkündigten. Und weil beide Gruppen die Botschaft, die sie verkündigten, nicht vollumfänglich verstanden, wurden sie schmerzhaft enttäuscht.
9. Was muss zuerst stattfinden, bevor der Herr wiederkommen kann?
Offenbarung 10,11
Anmerkung: Nach der grossen Enttäuschung im Jahre 1844 entdeckten die Gläubigen die Wahrheit bezüglich des himmlischen Heiligtums. Sie sahen, dass die Prophezeiungen vielmehr auf ein Abschlusswerk hinwiesen, das vor der Wiederkunft Christi geschehen muss. Erst dann würde der Heiland auf die Erde zurückkehren um seine wartende Gemeinde abzuholen.