Lektion 31 - Panorama der christlichen Gemeinde - Teil 2
Die Sendschreiben an die sieben Gemeinden enthalten ganz bestimmte Botschaften für die Nachfolger Christi. Diese Botschaften waren nicht nur an die Gläubigen der sieben Gemeinden zu jener Zeit bestimmt, sondern galten den Nachfolgern Jesu zu allen Zeiten. In jeder dieser Botschaften finden wir Lob, Tadel, Anweisungen, liebevolle Einladungen, Prophezeiungen und Verheissungen. Jeder Brief beginnt mit den Worten: "Ich weiss deine Werke." Christus sagt nicht, dass er annimmt oder vermutet oder dass er Beweise dafür hat. Er sagt ganz einfach, dass er weiss. Selbst unsere Gedanken sind ihm bekannt. "Ich sitze oder stehe auf, so weisst du es; du verstehest meine Gedanken von ferne." Psalm 139,2.
Es ist richtig, wenn wir diese Botschaften auf die Gemeinde Christi in den verschiedenen Zeitaltern anwenden. Aber wir müssen auch verstehen, welche in diesen Briefen geschilderten Zustände auf uns als einzelne Glieder der Gemeinde Gottes zutreffen. Und dann tun wir gut daran, diese Ratschläge und Zurechtweisungen des treuen Zeugen anzunehmen, damit Gott seine Verheissungen an uns erfüllen kann.
1. Welche zwei Dinge wurden den Überwindern in Pergamus verheissen?
Offenbarung 2,17
Anmerkung: Das Wort Gottes wird mit Speise verglichen. Siehe Jeremia 15,16 und Hiob 23,12. Während jener Zeit der Kirchengeschichte wurden viele Bräuche, die aus der Götzenanbetung der Heiden stammten, dem christlichen Glauben einverleibt. Aber dadurch, dass man dem heidnischen Gottesdienst ein christliches Mäntelchen umhängte, konnte man sich Gottes Gunst nicht erhoffen. Jenen, die bisher Speise zu sich genommen hatten, die den Götzen geopfert worden war, wurde nun das "verborgene Manna" angeboten. Manna ist das Brot vom Himmel und stellt Christus dar.
In biblischer Zeit kam der Namensgebung eine besondere Bedeutung zu. Oft war der Name ein Hinweis auf eine bestimmte Charaktereigenschaft. Wir sehen dies bei Jakob. Siehe 1. Mose 27,36. Doch als er seine Sünde bereut und in seinem Leben den Sieg errungen hatte, erhielt er einen neuen Namen, der seine Charakterumwandlung zum Ausdruck brachte (siehe 1. Mose 32,29). In gleicher Weise werden all jene, die überwinden, auch als Zeichen ihres Sieges einen neuen Namen bekommen. Dieser Name wird auf den Charakter hinweisen, der durch die Kraft Gottes in ihrem Leben erarbeitet worden war. Siehe Jesaja 62,2; 65,15; Offenbarung 3,12.
2. Wie hiess die vierte Gemeinde, die angesprochen wurde?
Offenbarung 2,18
3. Welche Lehre nahm Thyatira an und machte sich dadurch schuldig?
Offenbarung 2,20
Anmerkung: Isebel war eine götzendienerische Königin. Siehe 1. Könige 16,31 und 18,4. Sie war das Werkzeug, um während der Zeit des Propheten Elia das Volk Israel in den Götzendienst und in die Sonnenanbetung zu führen. Aber indem man Leute in der Gemeinde duldete, die ganz offensichtlich Anhänger des Götzendienstes waren, trat die Gemeinde auf den Weg, der abwärtsführt. Das hatte zur Folge, dass sogar den Leitern der Gemeinde erlaubt wurde, ihre Glieder Götzenanbetung zu lehren. Diese Praktiken hatten Zustände zur Folge, die den Zündstoff für die Reformation lieferten.
4. Was wurde der Gemeinde Thyatira als erstes verheissen?
Offenbarung 2,24-28
Anmerkung: Der Herr gab Jeremia eine ähnliche Verheissung. Siehe Jeremia 1,10. Er trat entschieden für die Wahrheit ein. Die Welt konnte ihn nicht zum Schweigen bringen. Auch vermochte sie nicht, den Propheten zu zwingen, mit dem Bösen Kompromisse zu schliessen. In dem Sinne kann von ihm gesagt werden, dass er in der Tat über die Menschen herrschte. Die Zukunft ganzer Nationen hing davon ab, wie sie Jeremias Botschaften der Wahrheit aufnahmen. In diesem Sinne "bestimmte" Jeremia ihr Schicksal. Während des Zeitabschnitts der Gemeinde Thyatira gab es Millionen von Märtyrern, die ihr Leben für ihren Glauben dahingaben. Sie galten als machtlos und unbedeutend. Verglichen mit dem Prunk und der Macht des Heiligen Römischen Reiches traf das in der Tat zu. Doch ihnen wurde die Verheissung gegeben, dass die Wahrheit, obwohl während Jahrhunderten zu Boden getreten, schliesslich doch triumphieren würde. Die Hand des Tyrannen würde schliesslich gebrochen werden und die Treuen würden am Ende als Könige herrschen.
5. Welche weitere Verheissung erhielten die Treuen dieser Gemeinde?
Offenbarung 2,28
Anmerkung: So wie der Morgenstern während der dunkelsten Stunde der Nacht zum Vorschein kommt um den baldigen Morgen anzukünden, so erweckte Gott in der dunkelsten Stunde dieser Weltgeschichte Männer, die das Volk wieder zu seinem Wort zurückführen sollten. Wycliffe, 1324 in England geboren, eröffnete dem Volk die Heilige Schrift, und dies rund zweihundert Jahre vor der Reformation. Zuweilen wird er als "Morgenstern der Reformation" bezeichnet, denn er weckte in den Menschen die Hoffnung auf den kommenden Morgen.
Jesus sagte: "Es kommt der Fürst dieser Welt, aber er hat keine Macht über mich." Siehe Johannes 14,30. Es gab nichts in Christus, das auf die Versuchungen Satans angesprochen hätte. Nicht einmal in seinen Gedanken machte er sich schuldig. Und genau diese Erfahrung will uns Christus schenken, so dass die Sünde auch in unserem Leben keine Macht über uns hat, wenn wir im Glauben mit ihm verbunden sind. Wenn sich dies in unserem Leben erfüllt, dann ist unsere Verbindung mit Christus vollkommen (siehe 1. Johannes 2,4.5) und Christus, der "Morgenstern", wird dann wahrhaftig in unserem Herzen "aufgehen" oder leuchten. Siehe 2. Petrus 1,19. Seine Gegenwart wird sich in den Früchten der Gerechtigkeit zeigen. Siehe Philipper 1,11.
6. Welches war die fünfte Gemeinde?
Offenbarung 3,1
7. Welches war trotz der Bedeutung ihres Namens der wahre Zustand der Gemeinde Sardes?
Offenbarung 3,1
Anmerkung: Die protestantischen Gemeinden, die zur Zeit der Reformation entstanden, galten dem Namen nach als lebendige Gemeinden. Aber bald versanken sie in einen tödlichen Formalismus. Sie legten wohl ein Lippenbekenntnis ab, aber die Kraft Gottes fehlte in ihrem Leben. Paulus beschreibt diesen Zustand in 2. Timotheus 3,5.
8. Welche Verheissung erhielten die wenigen Getreuen, die in Sardes übrigblieben?
Offenbarung 3,5
Anmerkung: Wenn wir Kinder Gottes werden, dann werden unsere Namen in das Buch des Lebens eingetragen. Siehe Lukas 10,20. Aber Offenbarung 3,5 zeigt uns auch, dass Namen nicht nur ins Lebensbuch eingetragen, sondern auch wieder gestrichen oder daraus entfernt werden. Jesus betete nicht, dass seine Jünger aus der Welt herausgenommen werden sollten, sondern dass sie vielmehr durch die Kraft Gottes davor bewahrt würden, den Geist der Welt in sich aufzunehmen. Siehe Johannes 17,15. Indem wir anderen Menschen die Liebe Christi offenbaren, legen wir vor der Welt ein Bekenntnis unserer Beziehung zu Christus ab. Siehe Johannes 15,17; 17,21. Wer ihn vor den Menschen bekennt, den wird Jesus auch vor seinem Vater im Himmel bekennen. Siehe Matthäus 10,32.
9. Wie hiess die sechste Gemeinde, an die sich Christus wandte?
Offenbarung 3,7
10. Welche Verheissung erhielt die Gemeinde Philadelphia?
Offenbarung 3,12
Anmerkung: Der Ausdruck "Name" bedeutet Charakter. Wir können nur durch die in uns wohnende Kraft Christi überwinden, d.h. über die Sünde siegen. Das bezieht sich auf die Annahme des göttlichen Charakters durch den Überwinder. Und wenn wir Christi Namen annehmen, dann ist das die Bestätigung, dass wir sein Eigentum sind. Gottes Name ist gleichbedeutend wie sein Charakter, und es ist seine Verheissung, dass der Überwinder den genau gleichen Charakter haben kann, die gleiche Wesensart, wie Gott selber. Die Wahrheit, dass sie den Namen des Neuen Jerusalem tragen bedeutet, dass die siegreiche Person Bürger dieser Stadt ist und ein Recht hat, dort Wohnsitz zu haben. Siehe Offenbarung 22,14. Mit dem Begriff "Pfeiler" wird ein bildlicher Ausdruck verwendet um damit einen ständigen und wichtigen Platz in Gottes Gegenwart anzuzeigen.
11. Welches war die letzte der sieben Gemeinden?
Offenbarung 3,14
Anmerkung: Die Stadt Laodizea lag an der Kreuzung von zwei wichtigen Hauptstrassen. Durch Bankgeschäfte und Geldhandel gelangte diese Stadt zu grossem Reichtum. Die Herstellung kostbarer Wolle war ein weiteres Wahrzeichen dieses Ortes. Das Gewebe war sehr fein und hatte eine glänzend schwarze Farbe. Zum Zeichen ihres Reichtums trugen führende Laodizäer Kleider, die aus dieser Wolle gefertigt waren. Laodizea war auch wegen seinen (lau)warmen Bädern und mineralhaltigen Quellen als Kurort berühmt. Eine wichtige Ärzteschule hatte dort ihren Sitz. Damit verbunden war auch die Herstellung eines Heilmittels für die Augen. Der Reichtum verleitete die Bewohner von Laodizea dazu, äusserst stolz und anmassend zu sein und zu glauben, dass sie keine fremde Hilfe brauchten, dass sie all ihre Bedürfnisse selber befriedigen könnten.
12. Wenn auch geistlich "satt", was war Laodizeas wahrer Zustand?
Offenbarung 3,17
Anmerkung: Auch wenn der Zustand dieser Gemeinde äusserst beklagenswert ist, lädt Jesus die Glieder dieser Gemeinde ein, von ihm wahren und unvergänglichen Reichtum anzunehmen. Er bietet ihnen das Gold des Glaubens und der Liebe an. Er gibt ihnen die Möglichkeit, die Kleider ihrer Selbstgerechtigkeit gegen das Kleid seiner vollkommenen Gerechtigkeit auszutauschen. Als drittes will er ihnen Augensalbe schenken, so dass sie in der Lage sind, geistliche Dinge zu erkennen und zu verstehen und zwischen Wahrheit und Irrtum zu unterscheiden. Obwohl ihre Lage aufs erste hoffnungslos erscheinen mag, steht Jesus vor der Herzenstür jedes einzelnen und bittet um Einlass.
13. Wie wird Jesus mit denen verfahren, die er liebt?
Offenbarung 3,19
Anmerkung: Wenn der Mensch himmlische Dinge vernachlässigt und sich mit irdischen Dingen zufriedengibt, dann erlahmen die geistlichen Kräfte in ihm und verkümmern schliesslich. Dann kommt es oft vor, dass der Herr es zulässt, dass Schicksalsprüfungen und Leiden über uns kommen. So wie bei Bäumen überschüssige Zweige weggeschnitten werden, um den Ertrag zu erhöhen, so helfen uns diese unangenehmen Erfahrungen, dass wir unsere Hilfe von oben erwarten und unser Leben schliesslich viel Frucht zur Ehre Gottes bringt.
14. Welche Verheissung bekam Laodizea, die letzte der sieben Gemeinden?
Offenbarung 3,21
Anmerkung: Paulus unterrichtete die Gemeinde in Laodizea getreulich und setzte sich für sie ein (siehe Kolosser 2,1; 4,16). Aber seine Anstrengungen führten zu keinem positiven Ergebnis. An diesem Beispiel erkennen wir, wohin es führt, wenn wir die Botschaften vernachlässigen, die der Herr uns sendet. Aber wenn jene, die wie der verlorene Sohn ihre von Gott geschenkten Segnungen vergeudet haben, wieder zum Vater zurückkehren und willig sind, gehorsame Kinder zu werden, dann heisst Gott sie in seinem Reich willkommen. Siehe Lukas 15,11-24.
Wenn diese Welt zum Ende kommt, dann wird es nur zwei Gruppen von Menschen geben - die Gerechten und die Gottlosen. Jeder Mann, jede Frau und jedes Kind werden auf der einen oder anderen Seite stehen. Die einen haben sich durch fortwährende Übertretung selber vom ewigen Leben ausgeschlossen. Die anderen sind durch Annahme der Gnade Christi gehorsam geworden und werden im herrlichen Eden willkommen geheissen.