Lektion 29 - Die Gemeinde in der Wüste

Die Gemeinde in der Wüste ist das Bindeglied zwischen der christlichen bzw. apostolischen Gemeinde und Gottes letzter Gemeinde auf dieser Erde, der Gemeinde der "Übrigen". Diese Gemeinde bestand nicht aus Dissidenten [Andersdenkende] aus anderen Glaubensrichtungen, noch handelte es sich um einen neulich entdeckten Glauben. Der Glaube und die Wahrheiten dieser Gemeinde in der Wüste waren vielmehr das heilige Vermächtnis aus den Tagen der Apostel.

Schon in den Tagen der Apostel waren die Keime der Verderbnis in der christlichen Gemeinde am Werk. Und wenn auch diese Kräfte für eine gewisse Zeit im Zaum gehalten wurden, so sollte doch der Tag kommen, wo sie ohne Einschränkung wirken werden.

1. Wem galt die ganze Aufmerksamkeit des Drachen, als er in seinem persönlichen Kampf gegen Christus unterlegen war?

Offenbarung 12,13

2. Welche Behandlung stellte Jesus seinen Jüngern in Aussicht?

Johannes 15,19.20

Anmerkung: Der reine Glaube Christi war zu allen Zeiten ein Störenfried, ein unwillkommener Eindringling, der die fleischliche Sicherheit jener störte, die in Ruhe dahinleben wollten. Aber wenn wir die wahre Gemeinde Christi finden wollen, dann brauchen wir unsere Augen nicht auf Königspaläste oder auf die berühmten Stätten dieser Welt zu richten. Das Christentum fand nur deshalb Anerkennung in der Gesellschaft, weil es Zugeständnisse machte. Doch das Ausleben des christlichen Glaubens wie er bei Christus und den Aposteln zu finden war, war immer ein Kreuz, das zu tragen es galt. Und die meisten sind nicht bereit, dieses Kreuz auf sich zu nehmen. Weitaus der grösste Teil der bekenntlichen Christen versucht diesem Kreuz auszuweichen, weil es ihnen ein Ärgernis ist.

3. Woher sollte diese Bedrohung kommen?

Apostelgeschichte 20,29.30

Anmerkung: Paulus gab den Leitern der Gemeinde klar zu verstehen, dass die schwersten Prüfungen für die Gemeinde nicht von aussen, sondern von innen zu erwarten sind.

4. Wie bezeichnete der Apostel Paulus den Ursprung des Abfalls, der bereits in seinen Tagen in der Gemeinde am Wirken war?

2. Thessalonicher 2,7

5. Was würde die Gemeinde viel eher annehmen als die Wahrheit?

2. Timotheus 4,3.4

Anmerkung: Während all der Jahrhunderte päpstlicher Oberherrschaft ergoss sich eine wahre Flut von Irrlehren in diese Welt um die Wahrheit zu verdunkeln.

6. Wohin sah sich die Frau gezwungen zu fliehen, als sie das Knäblein geboren hatte?

Offenbarung 12,6

Anmerkung: Während der ersten paar Jahrhunderte der christlichen Gemeinde erlitten Massen von Christen den Martertod. Doch trotz aller Verfolgung wurde das Heidentum besiegt. Es konnte vor der Verkündigung des Evangeliums nicht bestehen. Satan hatte versucht, die Wahrheit durch die Gewalt weltlicher Regierungen umzustossen. Aber er musste sich schliesslich geschlagen geben. Von nun an änderte er seine Taktik und Hinterlist und Gemeinheit traten an die Stelle offenen Widerstandes. Anstatt die Gemeinde von aussen anzugreifen, versuchte er vielmehr, die verderblichen Grundsätze, die gegen die Wahrheit gerichtet waren, in die Gemeinde hineinzubringen.

Nachdem die Apostel gestorben waren, gelangten fast unmerklich heidnische Bräuche und Sitten in die christliche Gemeinde. Eine große Zahl von Christen verschmähte die Einfachheit Christi und seiner Apostel und ihr Herz begehrte vielmehr den Prunk und Stolz heidnischer Priester und Herrscher. Von Zeit zu Zeit wurden grosse Konzilien einberufen denen die Würdenträger aus der ganzen Christenheit beiwohnten. Das hatte zu Folge, dass menschliche Traditionen die reine biblische Wahrheit immer mehr verdrängten. Christi Worte "Vergeblich dienen sie mir, weil sie solche Lehren lehren, die nichts als Menschengebote sind" erfüllten sich buchstäblich. Siehe dazu Markus 7,7.

Schon im zweiten Jahrhundert hatte man die zwei längsten und ausführlichsten Gebote, - das zweite und das vierte - verändert und gefälscht. In Alexandrien und in Rom wurde der Sabbat zugunsten des ersten Tags der Woche auf die Seite gesetzt.

Die angebliche Bekehrung Konstantins zu Beginn des vierten Jahrhunderts bereitete den Weg dafür, dass sich der Abfall umso schneller ausbreiten konnte.

7. Wer soll das Haupt eines jeden Menschen sein?

1. Korinther 11,3

8. Was wollte Satan durch den kommenden Abfall erreichen? Wovor warnte Paulus?

2. Thessalonicher 2,4

Anmerkung: So wie Satan bereits im Himmel danach trachtete die Stelle Gottes einzunehmen (siehe Jesaja 14,12-14), so versuchte er nun auf Erden, Gottes Platz und Autorität in der Gemeinde widerrechtlich an sich zu reissen.

In der ersten Hälfe des vierten Jahrhunderts wurde das Konzil zu Nizäa einberufen, das schliesslich das nizäische Glaubensbekenntnis zur Folge hatte. Doch siebzehn Bischöfe weigerten sich, ihre Zustimmung zu geben. Darauf befahl der Kaiser unter Androhung der Verbannung, dass alle dieses Dokument zu unterzeichnen hätten. Dieses Ultimatum bewirkte, dass bis auf fünf alle zustimmten. Unter dem Druck des Kaisers, konnten weitere drei dazu bewegt werden, ihre Unterschrift unter das Glaubensbekenntnis zu setzen. Die zwei Bischöfe, die ihre Zustimmung verweigerten, wurden schliesslich verbannt.

Die Sphäre unserer Gedanken untersteht der Herrschaft Gottes. Wer immer sich anmasst, die freie Meinungsbildung oder das Denken eines anderen einzuschränken oder zu zwingen, beraubt Gott seines Herrschaftsgebietes. Es ist offenkundig, dass diese Art Zwang einige Bischöfe veranlasste, gegen ihr Gewissen und ihre ehrliche Überzeugung zu handeln. Weit schlimmer dagegen war die Auffassung, Wahrheit und Lehren könnten durch den Beschluss einer Mehrheit festgelegt werden. Nichts konnte weiter von der Wahrheit entfernt sein als dies. Die Menschen wagten es, in Sachen des Glaubens Gott als das Haupt eines jeden Menschen von seinem Platz zu verdrängen. Somit ging in Erfüllung, was Paulus geschrieben hatte: "Lasset euch von niemand verführen, in keinerlei Weise; denn er kommt nicht es sei denn, dass zuvor der Abfall komme und offenbart werde der Mensch der Sünde, der Sohn des Verderbens, der da ist der Widersacher und sich überhebt über alles, was Gott oder Gottesdienst heisst, so dass er sich setzt in den Tempel Gottes und vorgibt, er sei Gott." 2. Thessalonicher 2,3.4

9. Wie lange sollte die Gemeinde in der Wüste ernährt werden?

Offenbarung 12,6

Anmerkung: Schon Daniel sah in seiner Vision ein kleines Horn, das während 1260 Jahren regieren sollte. Es wurde ihm gesagt, dass dieses kleine Horn während jener Zeitspanne die Heiligen des Allerhöchsten vernichten (ausrotten) würde. Siehe Daniel 7,25. Wir haben auch gesehen, dass diese Macht aus dem Römischen Reich hervorgehen würde. Wir müssen daher klar auseinanderhalten: Diese Verfolgung des Volkes Gottes während der 1260 Jahre darf nicht mit der Verfolgung verwechselt werden, welcher die Christen in den ersten Jahrhunderten von Seiten der römischen Kaiser ausgesetzt waren.

10. Wie hat die Gemeinde diese Verfolgung überstanden?

Offenbarung 12,11

Anmerkung: Die Mehrheit, die zu Kompromissen bereit war, fühlte sich durch die unerschütterliche Rechtschaffenheit einiger weniger in ihrer Ruhe gestört. Und so wie Kain seinen Bruder Abel erschlug, weil ihm dessen gerechtes Leben ein Vorwurf war, wurde die Verfolgung gegen diese Menschen geschürt, welche alles, was die Heiden den Christen bisher zugefügt hatten, weit übertraf. Seit den Tagen Abels bis in unsere Zeit, haben sich die treuen Nachfolger Christi den Hass und Widerstand jener zugezogen, die lieber ein Leben in Sünde führen wollten. Was durch falsche Lehren nicht zu erreichen war, versuchte man durch Verfolgung zustande zu bringen. Die Seiten der Geschichtsbücher sind mit dem Blut von Millionen von Märtyrern beschmiert, die ihr Leben für die Wahrheit hingaben.

11. Was schoss die Schlange aus ihrem Mund nach der Frau?

Offenbarung 12,15

Anmerkung: Wasser stellt Völker dar. Siehe Offenbarung 17,15. Satan wechselte seine Taktik erneut. Er beschritt einen anderen listigen Weg um die Gemeinde zu zerstören. Was ihm durch Verfolgung nicht gelang, versuchte er nun durch falsche Erziehung und Bildung zu erreichen. Ungefähr zu jener Zeit, als die päpstliche Verfolgung aufhörte, wurde unsere Welt von Lehrern geradezu überflutet, die von falschen humanistischen Philosophien und der Evolutionstheorie erfüllt waren und die mit ihren spekulativen Theorien die biblischen Wahrheiten bekämpften.

12. Woher erhielt die Frau Hilfe?

Offenbarung 12,16

Anmerkung: Um den Angriffen der Höheren Bibelkritik zu begegnen, "tat die Erde ihren Mund auf". Während all der Jahrhunderte hatte die Erde der Frau geholfen und ihr einen Zufluchtsort geboten. Dies traf in besonderer Weise zu, als die Neue Welt entdeckt wurde. Nun wurde die Wissenschaft der Archäologie erschlossen. Angefangen mit der Entdeckung des Rosetta-Steins im Jahre 1799, fanden die Gelehrte Beweise für die Echtheit der Bibel. Tausende von weiteren Entdeckungen und Funden bestätigten die Wahrheiten der Bibel.

13. Gegen wen richtet sich der letzte verzweifelte Angriff der Schlange?

Offenbarung 12,17

In der letzten gewaltigen Krise wird Gott ein treues Volk haben. Diese "Übrigen" in der langen Linie treuer Menschen, zeichnen sich dadurch aus, dass sie Gott ehren. Sie weisen jene drei Merkmale auf, an denen die wahre Gemeinde stets zu erkennen war: sie halten die (unveränderten) Gebote Gottes, sie haben den Glauben Jesu und sie halten fest am Zeugnis Jesu. Darum ist diese Gemeinde Satans Angriffsziel, wenn er in einem letzten verzweifelten Versuch die Wahrheit auf dieser Erde auslöschen will.