Lektion 22 - Die "2300 Abende und Morgen" werden erklärt

In der Heiligen Schrift geht der Vorhang auf und wir erhalten nicht nur Einblick in den Verlauf der Geschichte unserer Welt, sondern auch in Ereignisse, die sich zugetragen haben, bevor die Menschheitsgeschichte überhaupt begann. Wenn auch die Sünde auf unsere Erde beschränkt ist, wie uns das offenbart ist, so ist sie doch ein "Eindringling", für dessen Aufkommen wir keinen Grund angeben können. Die Probleme dagegen, welche die Sünde verursacht hat, blieben nicht auf diese Erde begrenzt. Die Sache hat ein Ausmass angenommen, dass das ganze Universum hineingezogen wurde.

Dieser das ganze Universum umfassende Konflikt nahm seinen Anfang beim Thron Gottes. Lucifer, der schirmende Cherub (siehe Hesekiel 28,12-15), das höchste aller geschaffenen Wesen, begehrte den Platz der Gottheit einzunehmen. Sein Versuch, die nur Gott gehörende Macht und Stellung an sich zu reissen, brach in offenen Aufruhr und Krieg aus (siehe Offenbarung 12,7-9) und führte dazu, dass Lucifer aus dem Himmel geworfen wurde.

Wäre dieser als "Sünde" bekannte Aufstand im Universum etwas gewesen, das man mit Gewalt hätte niederwerfen können, dann hätte dieser Krieg das Ende für die Sünde gebracht. Aber Liebe ist das Gesetz des Universums und Liebe und Gewalt sind unvereinbar. Liebe kann niemals zwingen. Sie führt nur. Wären Sünde und Sünder vernichtet worden, bevor die auf dem Spiel stehenden Grundsätze sich vollends entfaltet hatten, dann wäre das der sichere Weg für ein erneutes Ausbrechen des Konfliktes in der Zukunft gewesen. Denn zu diesem Zeitpunkt sah nicht einmal Satan, wohin Sünde letztlich führt. Wären Sünde und alle mit ihrem Gift Infizierten auf der Stelle ausgerottet worden, dann hätte das Fragen aufkommen lassen, für die es nie eine Antwort gäbe.

Wenn auch Satan besiegt und aus dem Himmel geworfen wurde, so suchte er dennoch andere geschaffene Wesen in diese Rebellion hineinzuziehen indem er ihnen das unerhörte Verlangen nach Macht einflösste. Durch Befolgung der angeblich von der "Schlange" stammenden Einflüsterungen schlossen sich Adam und Eva dem Aufruhr Satans an und machten so ihre Erfahrung mit der Sünde. So wurde die Sünde ein Teil ihrer eigenen menschlichen Natur.

Gottes Antwort auf dieses Problem war eine Offenbarung der Liebe die weit über die Vorstellung eines jeden geschaffenen Wesens hinausging. Dieser Beweis war von solcher Grösse, dass es keine "neutralen" Zuschauer geben konnte. Angesichts dieser Offenbarung muss sich nun jedes geschaffene Wesen im Universum entscheiden, ob es durch unzertrennliche Banden der Liebe und Treue an Gott gebunden sein will oder ob es durch Rebellion so verhärtet wird, dass es sich von nichts mehr bewegen lässt. Wenn dieser Beweis der Liebe Gottes einmal vollständig erbracht sein wird, dann würde das schreckliche Elend der Sünde niemals wieder einen Platz im Universum finden (siehe Nahum 1,9).

In dieser Demonstration sollte unsere Erde die Rolle eines "Theaters" für das Universum spielen. Auf dieser "Bühne" des Weltalls würde der endgültige und unzweifelhafte Beweis der Liebe auf den Grundsatz der Sünde treffen und diesen blossstellen. Alle würden es sehen und für ewige Zeiten würde jede durch die Sünde aufgekommene und mit Recht gestellte Frage hinsichtlich Gottes Regierung ihre Antwort finden. So wie das Gesetz die Grundlage einer jeden Regierung ist, so würde sich auch in dem auszutragenden Kampf alles um das göttliche Gesetz drehen.

In früheren Lektionen über das Buch Daniel wurden wir bereits mit einem Abriss der Weltgeschichte von den Tagen Daniels bis zum Ende des grossen Kampfes vertraut gemacht. In Daniel Kapitel 8 betrachten wir nun ein anderes Bild von einer ganz anderen Seite, ein Bild, das mehr Einzelheiten dieses Kampfes zwischen den beiden gegnerischen Mächten enthüllt.

1. Welche prophetische Zeitspanne sollte vor der Reinigung des Heiligtums verstreichen?

Daniel 8,14

2. Welche Regel wenden wir an um prophetische Tage auszulegen?

Hesekiel 4,5.6

Anmerkung: "So auch Hesekiel 4,6, '... ich gebe dir hier auch je einen Tag für ein Jahr' wo der Prophet symbolisch die Schuld Israels für so viele Tage tragen musste, wie sie Jahre gesündigt hatten. In dieser (von Gott gegebenen) Anweisung finden wir die Ermächtigung, in der Prophetie Tage als Jahre zu interpretieren". (George Bush, Professor für Hebräisch und orientalische Literatur an der New York City Universität, Anmerkungen zu 4. Mose 14,34)

3. Welche Zeitspanne war nach Gabriels Worten für Israel bestimmt?

Daniel 9,24

Anmerkung: Daniel dachte über Israels Gefangenschaft nach, die 70 Jahre dauern sollte. Er fragte sich, wie diese von Jeremia gegebene Prophezeiung, die Israels Wiederherstellung nach Ablauf der 70 Jahre vorsah, nun mit einer Prophezeiung vereinbart werden könne, die auf eine sehr langen Zeit - 2300 Tage oder Jahre - hinwies. Diese 2300 Jahre sollten ja vor der "Reinigung" oder "Wiederherstellung" des Heiligtums verstreichen.

Gabriel sprach anfänglich von einer Zeitspanne von 490 Jahren (70 x 7 oder 490 Jahre), die für das Volk Israel bestimmt waren. Das Wort "bestimmt" stammt vom hebräischen Wort CHATHAK. Das zugrundeliegende Wort bedeutet genau genommen abschneiden, zerteilen oder abtrennen. Die Zeitspanne von 490 Jahren sollte demnach von einer noch längeren Zeitspanne abgeschnitten oder abgetrennt werden. Die einzige "längere" Zeitdauer, um die es sich dabei handeln konnte, ist die bereits aufgezeigte - die 2300 Tage oder Jahre. Mit andern Worten, von den 2300 Jahren sollten 490 Jahre im Besonderen dem Volk Israel gehören.

4. Wann sollten die 70 Wochen oder 490 Jahre beginnen?

Daniel 9,25

Anmerkung: In Wirklichkeit wurden insgesamt drei Befehle erlassen, durch die den Juden gestattet wurde zurückzukehren. Doch der dritte, den Artaxerxes im Jahre 457 v.Chr. erliess, ist der vollständigste, weil er auch die Wiederherstellung der politischen Autorität Jerusalems vorsah (siehe Esra 6,14).

Da kein Anfang für die 2300 Tage gegeben wurde, die 70 Wochen aber einen Bestandteil derselben bilden und von den 2300 Tagen abzuschneiden sind, können wir wissen, dass das Anfangsdatum der 70 Wochen oder 490 Jahre auch der Beginn der 2300 Tage sein muss.

5. Wieviel Zeit sollte vom Erlass dieses Befehls bis auf Christus vergehen?

Daniel 9,25

Anmerkung: Das Wort Messias bedeutet "Der Gesalbte". 7 Wochen und 62 Wochen ergeben 69 Wochen oder 483 Jahre. Damit bleibt 1 Woche oder 7 Jahre von den 490 Jahren übrig.

6. Wie wurde Christus gesalbt?

Apostelgeschichte 10,38

7. Wann empfing Jesus die besondere Salbung des Heiligen Geistes?

Lukas 3,21.22

Anmerkung: Gemäss Lukas 3,1 begann Johannes der Täufer im 15. Jahr des Tiberius zu predigen. Tiberius begann seine Herrschaft zusammen mit seinem Vater im Jahre 12 n.Chr. Das Jahr 27 n.Chr. war demnach das 15. Jahr seiner Regierung.

8. Was sollte in der Mitte der 70. Woche geschehen?

Daniel 9,27

Anmerkung: Kurz nach seiner Taufe kam Jesus nach Galiläa und verkündigte: "Die Zeit ist erfüllt." Markus 1,15. Die Zeit, die erfüllt oder abgelaufen war, waren die 69 Wochen (7 und 62 Wochen) aus Daniel 9,25.26. Dreieinhalb Jahre später im Frühling des Jahres 31 n.Chr. wurde er anlässlich des Passahfestes gekreuzigt. Auf diese Weise brachte er das Opfersystem zum Abschluss (siehe Matthäus 27,51), denn das Opfersystem wies ja Christus als das wahre Lamm Gottes hin.

9. Welches Ereignis bildete den Anfang der Verfolgung der christlichen Gemeinde in Jerusalem, worauf die Zerstreuung der Gläubigen folgte und das Evangelium zu den Heiden gelangte?

Apostelgeschichte 7,59; 8.1

Anmerkung: Obwohl Israel "die Boten Gottes verspottet, seine Worte missachtet und seine Propheten verhöhnt hatte" (2. Chronik 36,16), zeigte er sich ihnen immer noch als "der Herr, Gott, barmherzig und gnädig und geduldig und von grosser Gnade und Treue" (2. Mose 34,6). Ungeachtet der fortwährenden Ablehnung, hatte seine Gnade weiterhin für sie gefleht. Als alle bisherigen Ermahnungen, Aufrufe und Zurechtweisungen unbeachtet blieben, da sandte Gott seinen eigenen Sohn, um sich so ein letztes Mal sein unbussfertiges Volk einzusetzen.

Als Christus am Kreuz auf Golgatha hing, waren Israels Tage als von Gott begünstigte und gesegnete Nation zu Ende. Und doch fuhr Christus während dreieinhalb Jahren fort, diese Menschen durch die Apostel zur Umkehr zu bitten. Als aber das jüdische Volk trotz anwachsender Beweise daranging Christus in der Person seiner Heiligen zu verwerfen, da wurde die Tür geöffnet, um das Evangelium nun den Heiden zu bringen.

Mit der Steinigung des Stephanus im Jahre 34 n.Chr. brach in Jerusalem eine Verfolgung aus, die die Gläubigen zerstreute. Überall wo sie hinkamen, trugen sie die aufrüttelnde Botschaft eines gekreuzigten und auferstanden Erlösers mit sich. Von den 2300 Jahren bleiben nun noch 1810 Jahre übrig. Fügen wir diese 1810 Jahre zum Jahr 34 n.Chr. hinzu, so kommen wir in den Herbst des Jahres 1844. Das ist das in der Prophetie festgesetzte Datum, an dem die Reinigung des Heiligtums begann.