Lektion 40 - Der Geist der Weissagung

Die Erde war überaus schön, als sie aus der Hand des Schöpfers hervorging. Alles war zierlich und geschmackvoll. Alle Dinge, auf denen das menschliche Auge ruhen mochte, zeugten von der Liebe und Fürsorge des Schöpfers. Nichts, was zum Glück und Wohl des Menschen diente, fehlte. Aber leider verlor der Mensch all die sichtbaren Zeichen der Liebe seines Schöpfers aus den Augen und folgte stattdessen dem Versucher. Dieser Entscheid brachte den Menschen in Auflehnung gegen seinen Schöpfer. So konnte Gott nicht mehr länger auf direktem Weg mit ihm verkehren.

1. Über welchen neuen Weg offenbarte Gott den Menschen seinen Willen?

Hebräer 1,1; Hosea 12,11

Anmerkung: Für die Sünde ist Gott ein verzehrendes Feuer (siehe Hebräer 12,29). Weil der Mensch die Sünde, diesen Gott entgegengesetzten Grundsatz, in sich aufgenommen hatte und so die Sünde zu einem festen Bestandteil des Menschen geworden war, konnte er die Gegenwart Gottes nicht mehr ertragen. Siehe dazu auch 2. Mose 20,18.19.

2. Was hat Gott für den Umgang mit den Menschen verheissen?

Amos 3,7

3. Wie warnte Gott die Menschen vor der Sintflut?

Hebräer 11,7

4. Durch wen rief Gott sein Volk Israel aus der Knechtschaft heraus?

Hosea 12,14

5. Wie reagierte das Volk im Allgemeinen auf diese Botschaften?

Jeremia 7,25.26

Anmerkung: Während der ganzen Zeit des Alten Testaments verkehrte Gott mit seinem Volk durch seine Propheten. Durch sie warnte er die Menschen. Zuweilen sandte er ihnen Botschaften der Ermutigung. Durch die Propheten offenbarte er auch einen kommenden Erlöser. Doch diese Botschaften wurden im Allgemeinen verworfen und verabscheut. Das Volk befand sich in so tiefem Abfall von Gott, dass es die Botschaften der Propheten nicht verstand. Im Rahmen des Erlösungsplanes mit seinen Opfern, Gaben und seinem Schattendienst konnte Gott nichts mehr tun. Deshalb hörte Gott ungefähr um 400 v.Chr. auf durch Propheten zum Volk zu reden. Siehe Klagelieder 2,9; Jeremia 23,11-16. Die einzige Hoffnung die sich bot, war das Kommen eines grösseren Lichtes - das Kommen Christi.

6. Welche beiden Personen bestätigten, dass Jesus der Messias war?

Lukas 2,25-27.36-38

Anmerkung: Mit dem Kommen Christi schien sich der Himmel den Menschen erneut zu öffnen. Und in der neuen Gemeinde war wiederum die Stimme der Propheten zu hören. Männer und Frauen wurden mit der Gabe der Weissagung gesegnet, jener so wichtigen Gabe des Heiligen Geistes. Siehe auch Apostelgeschichte 21,8.9.

7. Wer trat kurz bevor Christus seinen Dienst beginnen sollte auf?

Lukas 1,76; Matthäus 3,1-3

8. Warum wurde die Gabe der Weissagung in der Gemeinde aufrechterhalten?

1. Korinther 1,6-8; Epheser 4,11.12

Anmerkung: Durch seine Propheten tadelt und unterweist Jesus sein Volk und versucht, sie wieder in sein eigenes Ebenbild zu verwandeln.

9. Wie lautet eine andere Bezeichnung im NT für "Geist der Weissagung"?

Offenbarung 19,10

10. Welche Gesinnung gegenüber "Weissagung" empfahl Paulus den Gläubigen?

1. Thessalonicher 5,20.21

11. Was ist die Folge, wenn keine Weissagung [Prophetie] da ist?

Sprüche 29,18

Anmerkung: Schon bald nach der Gründung der christlichen Gemeinde schien es, als würde jegliche direkte Inspiration und Prophezeiung aufhören. Vergleicht man die Schriften der Kirchenväter, Werke, die nur eine Generation nachdem die Apostel gestorben waren, ihren Anfang nahmen, dann ist man erstaunt über die geringere Beschaffenheit. Es war nichts anderes als der Versuch, das Geheimnis des Evangeliums mit menschlicher Weisheit zu erklären und es so seiner Kraft zu berauben. Damit war der Weg für die Verbindung der Kirche mit dem Staat geebnet, wodurch die Kirche danach trachtete, die Macht staatlicher Regierungen zu gebrauchen, um den Verlust ihrer Kraft auszufüllen. Das war der grosse Abfall, den Paulus in 2. Thessalonicher 2,3.4 vorausgesagt hatte. Während dieser Zeit geistlicher Finsternis wurde die Wahrheit des Evangeliums systematisch durch Irrtümer ersetzt und das Licht der Wahrheit nahezu ausgelöscht.

12. Hat die Prophetie diesen Zustand bereits vorausgesagt?

Amos 8,11.12

Anmerkung: Weil es während all den langen Jahrhunderten des Abfalls keine Weissagung gab glaubten viele, dass "Weissagung" ein Phänomen der Vergangenheit sei, und dass es in der Zukunft keine Weissagungen mehr geben werde. Aber aus Gottes Handlungsweise mit den Menschen in der Vergangenheit lässt sich schlussfolgern, dass einem so bedeutungsvollen Ereignis wie der Wiederkunft Christi besondere Anweisungen und Warnungen für die dann lebenden Menschen vorausgehen werden. Aber wir sollen uns nicht auf Schlussfolgerungen allein stützen um dies herauszufinden, denn die Bibel selber bestätigt diese Tatsache.

13. Vor wem sollen sich Christi Nachfolger in den letzten Tagen in Acht nehmen?

Matthäus 24,24

Anmerkung: Jesus warnte vor falschen Propheten, die vor seiner Wiederkunft auftreten würden. Aber wenn Jesus von falschen Propheten spricht, dann muss es in der Endzeit auch wahre Propheten geben. Denn sonst hätte er die Menschen ganz einfach aufgefordert alle Propheten zu ignorieren.

14. Was sollte laut Prophezeiung unmittelbar vor Jesu Wiederkunft stattfinden?

Maleachi 3,23.24

Anmerkung: Diese Prophezeiung bezog sich fürs erste auf Johannes den Täufer, der im Zusammenhang mit Jesu erstem Kommen auftreten sollte. Siehe Matthäus 11,7-11; 17,10-13. Daneben zeigt uns das Wort Gottes, dass diese Vorhersage von Maleachi unmittelbar vor dem zweiten Kommen Christi ihre endgültige und vollständige Erfüllung finden wird.

15. Welche beiden Merkmale lassen Gottes Volk der Übrigen erkennen?

Offenbarung 12,17

Anmerkung: Dieses zweifache Zeichen - das Halten aller Gebote Gottes und den Besitz des Geistes der Weissagung - findet sich nur in der Gemeinde der Siebenten-Tags-Adventisten. Die Siebenten-Tags-Adventisten sind die einzigen, die nicht nur den Gehorsam gegenüber allen zehn Geboten lehren, sondern auch durch das Schrifttum des Geistes der Weissagung in der Person von Frau Ellen G. White reich gesegnet sind.

16. Wie können wir wissen, dass ein Prophet nicht im Auftrage Gottes redet?

5. Mose 18,21.22

Anmerkung: Gott hat uns in seinem Wort mehrere Prüfsteine gegeben damit wir einen wahren Propheten von einem falschen unterscheiden können. Bevor wir mit Sicherheit einem Menschen zugestehen, von Gott inspiriert zu sein, müssen wir herausfinden, ob er alle in der Bibel genannten Kriterien für einen wahren Propheten erfüllt.

17. Ist das Eintreffen einer Vorhersage Beweis, dass jemand von Gott inspiriert ist?

5. Mose 13,1-3

Anmerkung: Falsche Vorhersagen beweisen, dass ein Prophet nicht im Auftrage Gottes geredet hat. Aber es ist auch möglich, dass falsche Propheten Ereignisse vorhersagen die eintreffen.

18. Mit welchem unfehlbaren Massstab sind eines Propheten Worte zu prüfen?

Jesaja 8,20

Anmerkung: Gott ändert sich nie. Siehe Maleachi 3,6. Was gestern Wahrheit war, wird auch heute Wahrheit sein.

19. Müssen das Leben und die Botschaft eines Propheten übereinstimmen?

Matthäus 7,15-18

20. Auf welchen drei Wegen verkehrt Gott mit seinen Propheten?

4. Mose 12,6-8

21. Was geschah mit Bileams Augen, als er in der Vision war?

4. Mose 24,16

22. Was geschah mit Daniels Körperkraft, als er eine Vision empfing?

Daniel 10,8

Anmerkung: Daniel hatte von sich aus keine Kraft mehr. Aber als der Engel ihn gestärkt hatte, stand er wieder auf seinen Füssen. Siehe Daniel 10,10.11.

23. Wie war Daniels natürliche Atmung während der Vision?

Daniel 10,17

Anmerkung: Wenn Gott einem Propheten eine Vision schenkt, dann kann er sein Werk durch übernatürliche Zeichen offenbaren.

24. Wen weisen wir in Wirklichkeit ab, wenn wir Gottes Boten verwerfen?

1. Samuel 8,7

Anmerkung: Alle Botschaften Gottes an die Menschen sind in Bezug auf unser ewiges Leben von grösster Bedeutung. Gott sendet uns niemals eine Botschaft und überlässt es unseren Gefühlen, ob wir sie annehmen wollen oder nicht. Siehe Matthäus 23,37; 2. Chronik 20,20. Wir können nicht auf Gottes Ratschläge verzichten, sonst würde er sie uns auch nicht geben. Wenn wir die Botschaft oder die Person, welche die Botschaft überbringt, abweisen, dann weisen wir den ab, der sie gegeben hat. Durch den ersten falschen Schritt hat schon mancher sein Schicksal für Zeit und Ewigkeit besiegelt. Und jeder weitere Schritt auf dem verkehrten Weg bestärkt in nur umso mehr in seiner Selbsttäuschung.


Gottes Botin für die Endzeit

Im 19. und 20. Jahrhundert sind viele aufgetreten, die sich als Propheten ausgegeben haben. Einige sagen, sie bekämen ihre Offenbarung von Gott. Andere versichern ihren Anhängern, dass Geistwesen ihnen die Botschaften übermitteln. Wiederum andere behaupten, ihre Offenbarungen seien das Resultat einer natürlichen Kraft in ihnen. Doch jeder sollte sich die Frage stellen? Stimmt das Leben dieser Propheten auch mit ihren Worten überein?

Wenn wir uns die biblische Definition eines Propheten ansehen, so tritt Ellen G. White im Vergleich zu anderen, die übernatürliche Gaben für sich beanspruchen, zurück. Wer war diese Frau? Wie sah ihr Leben aus? Erfüllte sie wirklich alle Merkmale eines wahren Propheten?

Ellen White war eine junge Dame, als sie in den 1840er Jahren in der Millerbewegung mitmachte. Gleich vielen anderen erlebte sie eine Enttäuschung, als Christus nicht auf die Erde zurückkehrte. Als sie jedoch die Prophezeiungen weiterstudierten, gelangten sie zu einem klaren Verständnis bezüglich der Reinigung des Heiligtums. Sie sahen auch, in welcher Beziehung das Heiligtum zur baldigen Wiederkunft Christi stand. In Verbindung mit dieser Wahrheit entdeckten sie im Verlauf ihres Studiums auch die grosse Bedeutung des Sabbats.

Als junges Mädchen erlitt Ellen durch einen Unfall eine schlimme Gesichtsverletzung und schwebte dann auch für gewisse Zeit in Lebensgefahr. Als Folge dieses Unfalls war sie während einigen Jahren behindert. Dies war auch der Grund, warum sie bloss über eine dreijährige Schulbildung verfügte.

Im Dezember 1844 hatte Ellen eine Vision. Es war die erste von insgesamt mehr als 2000 Träumen und Gesichten. Kurz danach gab der Engel ihr den Auftrag, das was ihr gezeigt worden war, niederzuschreiben. Doch sie war so schwach, dass sie nicht einmal eine Feder in der Hand halten konnte. Etwas schreiben zu können schien völlig unmöglich zu sein.

Wiederum hörte sie die Worte "Schreib auf, was dir offenbart wurde." Als sie sich aufraffte, um der Anweisung des Engels zu folgen, da stellte sich bald heraus, dass sie in der Lage war, eine Seite nach der anderen mit verhältnismässiger Leichtigkeit zu schreiben. Während der rund siebzig Jahre ihres öffentlichen Wirkens (1844-1915) schrieb sie an die 25 Millionen Worte oder 100'000 Seiten von handgeschriebenem Text. Die Geschichte kennt wohl keine zweite Frau, die ein derart umfangreiches Schrifttum hinterliess.

Ihre Schriften sind kein Zusatz zur Bibel. Sie führen die Menschen vielmehr zur Bibel. Ellen White schrieb selber: "Lieber Leser, ich empfehle dir das Wort Gottes als die Richtschnur deines Glaubens und Handelns. Durch dieses Wort sollen wir gerichtet werden. Gott hat in diesem Wort versprochen, in den LETZTEN TAGEN Visionen zu geben, nicht als eine neue Richtschnur des Glaubens, sondern zum Trost seines Volkes und um jene zu korrigieren, die von der biblischen Wahrheit abirren." - Frühe Schriften, Seiten 68/69

Viele hatten Gelegenheit, Ellen White zu untersuchten, während sie sich in einer Vision befand. Augenzeugen haben alles genau beobachtet. George I. Butler beschrieb die Vision, die sie im Jahre 1874 erhielt, wie folgt: "Frau White befindet sich zwischen 15 bis 180 Minuten in diesem Zustand. Herz- und Pulsschlag sind deutlich zu fühlen. Sie hält ihre Augen weit geöffnet, als ob sie einen weitentfernten Gegenstand genau betrachten würde. Sie blickt nie auf eine anwesende Person oder auf einen Gegenstand im Raum, wo man versammelt ist. ... Während der Zeit, in der sie sich in der Vision befindet, atmet sie nicht. Nicht der geringste Atem oder Hauch kommt aus Nase oder Mund. ...

In der Vision wurden ihr besondere Umstände aus dem Leben einzelner Menschen gezeigt. Die geheimsten Dinge, von denen selbst ihre nächsten Bekannten nichts wussten, wurden vor ihr enthüllt. Interessant war nur, dass sie diese Menschen nie zuvor persönlich getroffen hatte. Sie kannte sie nur von der Vision her. Oft befand sie sich unter Zuhörern, die ihr völlig unbekannt waren. Und plötzlich stand sie auf, rief eine Person nach der anderen auf - Leute, die sie vorher nie gesehen hatte - und sagte ihnen, was sie getan hatten und tadelte ihre Sünden." G.I. Butler, Review and Herald, 9. Juni 1874

Frau Whites Ratschläge sind bestens bekannt. Sie schrieb beispielsweise über Gemeindeorganisation und Gemeindeverwaltung. Hinzu kommen Ratschläge über die Gesundheit und das ärztliche Missionswerk sowie Erziehung und Verlagswesen. All diese wertvollen Anweisungen blieben uns durch ihr reichhaltiges Schrifttum bis heute erhalten. Ihre Bücher sind keineswegs aus der Mode geraten. Sie sind auf dem neuesten Stand. Wo man ihre Ratschläge befolgte stellte man auch fest, dass sie göttlichen Ursprungs waren.

Dr. Florence Stratemeyer, ein führender Erzieher und ein Fakultätsmitglied der Erziehungsabteilung am Lehrerseminar der Columbia Universität, sagte im Jahre 1959: "Kürzlich wurde ich auf das Buch Erziehung von Ellen White aufmerksam gemacht. Obwohl es um die Jahrhundertwende geschrieben wurde, war dieses Werk seiner Zeit um fünfzig Jahre voraus. Und ich war überrascht, als ich vernahm, dass es von einer Frau geschrieben worden war, die bloss über eine dreijährige Schulbildung verfügte."

Ich war erstaunt zu sehen, wie umfassend und tiefgründig die darin dargelegte Philosophie ist. Das Konzept einer ausgeglichenen Erziehung, der harmonischen Entwicklung und des Denkens und Handelns auf der Basis von Grundsätzen sind wirklich fortschrittliche Gedanken auf dem Gebiet der Erziehung." Dr. Florence Stratemeyer, Review and Herald, 6. August 1959

Frau Whites Ehegatte starb am 6. August 1881. Für rund 34 Jahren war sie eine Witwe. Während zweier Jahre - vom Sommer 1885 bis zum Sommer 1887 - arbeitete sie in Europa. Von 1891 bis 1900 leistete sie Pionierarbeit in Australien. Sie war in der Tat eine Frau, die sich der Welt verbunden fühlte und nicht nur einer kleinen Menschengruppe angehörte. Obwohl sie Amerikanerin war, erkannte sie, dass ihre Mission ein Geschenk an die Welt war.