Lektion 32 - Das Leopard-ähnliche Tier aus Offenbarung 13
Die durch das Tier in Offenbarung 13 dargestellte Macht hat die Christen während Jahrhunderten gefesselt. Es wurde viel darüber spekuliert, was dieses Tier darstellt, sein Wesen und wann es erscheinen würde. Diese Fragen sind durchaus am Platz, denn die Bibel warnt vor keiner anderen Macht so deutlich wie vor jener, die durch das erste Tier in Offenbarung 13,1-10 dargestellt wird. Aber es ist nicht nötig, hierüber zu spekulieren, denn Gott warnt uns nicht vor etwas, das er dann mit so unklaren und verschwommenen Worten beschreibt, dass wir nicht verstehen können, worüber er spricht. Das Tier aus Offenbarung 13 macht hierin keine Ausnahme.
1. Von wo kam diese Macht?
Offenbarung 13,1
2. Was stellen Wasser in der biblischen Prophetie dar?
Offenbarung 17,15
Anmerkung: Weil Wasser ein Symbol für Leute und Nationen ist, können wir wissen, dass diese Macht aus einem dicht bevölkerten Gebiet der Erde emporkommen musste.
3. Woher erhielt dieses Tier seine Macht, seinen Thron und seine Autorität?
Offenbarung 13,1.2
Anmerkung: Ein wichtiger Anhaltspunkt, der uns hilft die Zeit für das Emporkommen dieser Macht festzulegen ist die Tatsache, dass dieses Tier seinen Sitz, seine Autorität und seine Macht von dem Drachen empfing. Wenn auch der Drache einerseits Satan darstellt (siehe Offenbarung 12,7-9), wie wir das bereits in Lektion 28 gelernt haben, so ist doch auf der anderen Seite vom alten heidnischen Rom die Rede. Die Stadt Rom war der Regierungssitz des alten Römischen Reiches. Und da das Jahr für den Zerfall des Römischen Imperiums im Westen 476 n.Chr. ist, folgt daraus, dass das Tier, obwohl es schon vor jener Zeit aufkam, seinen Sitz und seine Autorität nicht vor diesem Datum empfangen konnte.
Im Jahre 330 n.Chr. verlegte Kaiser Konstantin die Hauptstadt des Römischen Reichs in den Osten, nach Konstantinopel. Die Stadt Rom, bisher Regierungssitz des Reichs, wurde dem Bischof von Rom übergeben. Im Jahre 533 n.Chr. gab der damals herrschende Kaiser Justinian einen Erlass heraus womit der Papst zum Haupt aller Kirchen und zum Zurechtweiser und Bestrafer der Ketzer erklärt wurde. Auf diese Weise wurde Rom zum Sitz des Papsttums (der Katholischen Kirche) und der Bischof von Rom (der Papst) erhielt seine Vollmacht durch Befehl der "Drachen-Macht" - des heidnischen Roms.
4. Wie lange sollte diese Macht wirken können?
Offenbarung 13,5
Anmerkung: Das jüdische Jahr setzte sich aus Monaten mit 29 bzw. 30 Tagen zusammen. Ein ganzer Monat wurde aber immer mit 30 Tagen berechnet. Wenn es darum ging, zukünftige Ereignisse zu berechnen, bediente man sich stets ganzer Monate. Die im Bibeltext angegebenen 42 Monate umfassen somit 42 x 30 Tage = 1260 Tage bzw. Jahre. Es handelt sich hier um die gleiche Zeitspanne, die wir bereits in Daniel 7 angetroffen haben. Dort hiess es, dass das kleine Horn, das wir als das Papsttum identifiziert haben, während einer Zeitspanne von 1260 Jahren herrschen würde.
5. Welche Haltung nimmt diese Macht gegenüber Gottes Volk ein?
Offenbarung 13,7
Anmerkung: Niemand, der die Geschichte einigermassen kennt, wird leugnen, dass diese Beschreibung ebenso auf die katholische Kirche zutrifft. Vorsichtige Schätzungen gehen davon aus, dass die Kirche Roms dafür verantwortlich ist, dass über 50 Millionen Menschen hingerichtet wurden. Und worin bestand ihr Verbrechen? Sie folgten ganz einfach der Stimme ihres Gewissens, auch wenn dies mit der staatlichen Religion nicht im Einklang war.
Aus den Trümmern des heidnischen Roms stieg die Kirche Roms empor. Das päpstliche Rom beanspruchte die Titel und die Autorität der vorhergehenden Kaiser und war bestrebt, seine Macht über die Staatsoberhäupter auszuweiten. Es war immer ein Wesensmerkmal des Papsttums, die Staatsmacht zu beherrschen oder so zu kontrollieren, dass es seine eigenen Interessen dadurch fördern konnte. Solange die römischen Kaiser ihre Macht noch ausübten, war die Kirche in ihrem Wirken eingeschränkt. Doch als die Autorität der Kaiser abnahm, war die Kirche augenblicklich zur Stelle, um deren Platz einzunehmen. Während Jahrhunderten empfingen die Staatsoberhäupter ihre Krone aus der Hand des Papsttums und übten ihre Herrschaft in Abhängigkeit vom Heiligen Stuhl aus.
Es mag jemand einwenden, dass das Papsttum in erster Linie eine religiöse und nicht eine politische Macht sei. Wir dürfen aber nicht vergessen, dass das Papsttum Botschafter aussendet und empfängt und auch in vielen anderen Beziehungen wirkt, wie das bei einem politischen Staat der Fall ist.
6. Was sollte einem der Häupter dieses Tieres widerfahren?
Offenbarung 13,3
Anmerkung: Durch den Befehl des Kaisers Justinian erhielt der Papst kirchliche und weltliche Macht. Aber das Papsttum konnte seine Macht erst vollends ausüben, als Justinians Armeen unter General Belisar die Ostgoten in Italien, die nach Auffassung der römischen Kirche Arianer waren, besiegt hatten. Dieser Feldzug war im Jahre 538 n.Chr. abgeschlossen und die Ostgoten wurden endgültig geschlagen.
Wenn wir das Jahr 538 als Anfangspunkt der 1260 Jahren gelten lassen, dann erstreckt sich diese Zeitspanne bis ins Jahr 1798. Dies war unmittelbar nach der französischen Revolution. Napoleons siegreiche Armeen marschierten quer durch Europa und zerstörten Monarchie und Kirche. Der französische General Bérthier zog nach Rom und nahm den damals herrschenden Papst gefangen und brachte ihn nach Frankreich, wo er den Rest seines Lebens im Exil verbrachte. Für verhältnismässig kurze Zeit war die Kirche nun ohne sichtbares Oberhaupt. Viele waren der Überzeugung, dass die Kirche eine Niederlage erlitten hätte, so dass sie in der Weltgeschichte nie wieder eine bedeutende Rolle spielen würde. Während vielen Jahren schien dies tatsächlich der Fall zu sein.
7. Welchen drei anderen Tieren glich dieses Leopard-ähnliche Tier?
Offenbarung 13,2
Anmerkung: Alle drei Tiere wurden bereits in Daniel 7 als Weltmächte dargestellt. Aber dieses Tier unterscheidet sich nun darin von den andern, dass es einige Formen von einem jeden dieser Symbole in sich vereinigt.
8. Auf welche Weise versucht Satan die Welt zu beherrschen?
Offenbarung 12,9
9. Wie verhalten sich die Bewohner der Erde dieser Macht gegenüber?
Offenbarung 13,8
Anmerkung: Viele Leute sind der Meinung, dass eines Tages eine teuflische Macht das politische Geschehen beherrscht und die Christen zwingt, ihren Glauben aufzugeben. Sie denken, dass diese Macht ein Schreckensregime aufrichten wird, das in keiner Weise etwas mit Religion zu tun hat. Die Bibel zeigt uns aber, dass bei dieser Macht Religion mit im Spiel sein wird. Es heisst, dass alle Menschen auf Erden dieses Tier anbeten werden, mit Ausnahme all jener, deren Namen im Lebensbuch des Lammes geschrieben stehen. Jesu redete sehr deutlich als er sagte: "Und die Pforte ist eng, und der Weg ist schmal, der zum Leben führt, und wenige sind ihrer, die ihn finden." Matthäus 7,14. Etwas später im selben Kapitel sagte Jesus weiter: "Es werden nicht alle, die zu mir sagen: Herr, Herr! in das Himmelreich kommen, sondern die den Willen tun meines Vaters im Himmel. Es werden viele zu mir sagen an jenem Tage: Herr, Herr, haben wir nicht in deinem Namen geweissagt? Haben wir nicht in deinem Namen böse Geister ausgetrieben? Haben wir nicht in deinem Namen viele Taten getan? Dann werde ich ihnen bekennen: Ich habe euch nie gekannt; weichet von mir, ihr Übeltäter!"
10. Wem glich dieses Tier?
Offenbarung 13,2
Anmerkung: Der Leopard in Daniel 7 stellte Griechenland dar, das dritte grosse Weltreich. Wenige sind sich bewusst, wie vollständig die griechische Philosophie die Welt eroberte. Auch die erste Christengemeinde wurde davon nicht verschont. Plato glaubte an die Unsterblichkeit der Seele. Nach seiner Auffassung empfingen alle Helden und angesehenen Personen unmittelbar nach ihrem Tod ihre Belohnung, indem sie in die himmlischen Wohnungen aufgenommen wurden. Gewöhnliche Menschen dagegen kamen zuerst in die Hölle, wo sie solange für ihre Verunreinigungen infolge Sünde bestraft wurden, bis sie vollständig gereinigt waren. Daraus lassen sich zwei Glaubensansichten ableiten: Zum ersten, dass die Heiligen bei ihrem Tod direkt in den Himmel gehoben werden und zum zweiten, die Lehre des Purgatoriums [od. Fegefeuers]. Plato glaubte auch an die Trennung von Körper und Seele. Nach seiner Meinung wurde dies erreicht, indem man den Körper peinigte, Entbehrungen auf sich nahm oder sich von der Gesellschaft ausschloss. Damit wurde die Grundlage für das Klosterleben und all die Bussübungen gelegt. Während des Mittelalters, als die Bibel verboten war, erwarteten die Menschen ihre Hilfe von Plato, Aristoteles und Sokrates. Wie wäre es da anders zu erwarten, als dass ihre Philosophie das religiöse Denken vieler durchdrang. Viele Auffassungen, die heute im Christentum fest verankert sind, die aber im Worte Gottes keine Grundlage haben, haben ihren Ursprung in der griechischen Philosophie.
11. Von welchem Tier stammte der Mund dieses Leoparden?
Offenbarung 13,2
Anmerkung: Der Löwe in Daniel 7 stellte Babylon dar. Im Papsttum finden wir ein Gemisch zwischen Christentum und heidnischen Religionen. Diese heidnischen Religionen waren ein Bestandteil jener Weltreiche, die bereits vor dem Bestehen der christlichen Gemeinde, diese Welt beherrschten. Und die meisten heidnischen Religionen haben letztlich ihren Ursprung in der Religion des einstigen Babylons.
12. Von welchem Tier stammten die Füsse des Leoparden?
Offenbarung 13,2
Anmerkung: Der Bär in Daniel 7 stellte das Reich der Meder und Perser dar. Die Meder und Perser hatten bei der Ausübung der Regierung einen besonderen Grundsatz. Wenn der König der Meder und Perser ein Gesetz erliess, dann galt er als unfehlbar. Ein einmal erlassenes Gesetz konnte bei den Medern und Persern nicht mehr geändert oder rückgängig gemacht werden. Siehe Daniel 6,8.12. Das Gegenstück dazu finden wir bei der Unfehlbarkeit des Papstes, wenn er ex cathedra spricht, und Dogmen [unwiderrufliche Lehrsätze] oder Gesetze erlässt.
Diese Prophezeiungen dürfen nicht als Anklage gegen einzelne Menschen, sondern vielmehr als Warnungen vor falschen Systemen oder Einrichtungen verstanden werden. Gott will nicht, dass sein Volk in ein falsches System des Abfalls verwickelt wird. Später, beim Studium von Offenbarung 18, werden wir die gleiche Macht unter dem Namen Babylon nochmals antreffen. So wie Gott Lot aus dem sündhaften Sodom herausrief, bevor die Stadt zerstört wurde, so ruft er am Ende der Zeit sein Volk auf, aus diesem falschen System des Abfalls herauszukommen, damit sie nicht untergehen. Es gibt dort viele Menschen, die den Herrn aufrichtig lieben. Und deshalb schickt ihnen der Herr in seiner Liebe eine letzte Warnungsbotschaft, so dass sie sich entscheiden können, jene Dinge zu meiden, die sie von Gott trennen und die schliesslich die Gerichte Gottes über diese Erde bringen.