Lektion 19 - Das kleine Horn
Die Herrschaft Roms war autokratisch (selbstherrlich, unumschränkt) und zeitweilig brutal, grausam und ungerecht. Dennoch beteten die Christen jener Zeit darum, dass diese Herrschaft andauern möchte, denn sie verstanden aufgrund der Schriften Daniels und des Apostels Paulus, dass der Zusammenbruch des römischen Reiches das Aufkommen des gefürchteten Antichristen in den Weg leiten würde. Rom war aber so korrupt, dass es nicht mehr möglich war, dass dieses Reich weiterbestehen konnte. Im Jahre 476 n.Chr. gab Odoaker bekannt, dass der Titel und das Amt des römischen Kaisers des Westens abgeschafft werden sollte. Romulus Augustulus, der letzte Römische Herrscher, trat zurück und der Senat ergab sich. Mit dem Zusammenbruch Westroms begann das Mittelalter.
1. Was brach hervor, nachdem die ersten zehn Hörner bereits da waren?
Daniel 7,8
2. Wie lässt sich dieses Horn mit den anderen zehn vergleichen?
Daniel 7,20.24
Anmerkung: So wie die anderen zehn Hörner deutlich politische Mächte darstellen, so deutet die Tatsache, dass dieses eine Horn ganz anders oder verschieden war darauf hin, dass diese Macht, die nach 476 n.Chr. aufkommen sollte, ihrem Wesen nach nicht eine politische Macht war. Obwohl anfänglich klein, sollte diese Macht wachsen bis ihre Stärke jene der politischen Mächte um sie herum übertraf.
Die Geschichte Roms findet mit der Zerteilung des Reiches in die verschiedenen Staaten Europas nicht ihr Ende. Als Rom in Trümmern lag, seine Städte geplündert waren und die Regierung abgedankt hatte, da war eine neue Macht im Begriff aufzukommen. "So wie die Pilze aus dem verfaulenden Holz des Sumpfs in einer Nacht emporschiessen und ihr Leben gewissermassen aus der Fäulnis beziehen, so kam im Römischen Reich eine Macht auf, deren Leben gleichsam durch den Zerfall der Nation genährt wurde. Diese Macht war das kleine Horn, bekannt als das Papsttum" - S.N. Haskel, Story of Daniel the Prophet, Seite 110.
Allmählich und fast unmerklich haben sich die Bräuche und Praktiken des Heidentums in die christliche Gemeinde eingeschlichen. Während der ersten Jahrhunderte nach Christus war die Gemeinde wegen der Verfolgung, die sie zu erdulden hatte, verhältnismässig rein. Aber als die Verfolgungen unter dem Kaiser Konstantin aufhörten, fand das Christentum Eingang bei den Königshöfen. Die angebliche Bekehrung Konstantins anfangs des vierten Jahrhunderts öffnete den Weg für den Abfall, so dass sich dieser noch schneller ausbreiten konnte. Es wurde zum festen Brauch, die Feiertage und Rituale des Heidentums mit christlichen Namen zu versehen, und sie dann dem Gottesdienst in der christlichen Gemeinde einzuverleiben. Aber das Aufdrücken eines christlichen Namens konnte die heidnischen Rituale und den heidnischen Gottesdienst nicht heilig machen. Das Heidentum, obwohl scheinbar bezwungen, wurde zum eigentlichen Sieger. Sein Geist beherrschte die Kirche. Seine Lehren, Zeremonien und sein Aberglaube wurden in das Glaubensgut und in den Gottesdienst der bekenntlichen Nachfolger Christi aufgenommen.
3. Vor wem warnte Paulus die Gemeinde? Wer sollte noch vor Christi Wiederkunft auftreten?
Apostelgeschichte 20,29-31
Anmerkung: Gemäss den Worten, die Paulus an die Leiter der Gemeinde Ephesus richtete, sollte die grösste Gefahr für die Gemeinde von ihren eigenen Führern ausgehen.
4. Was sollte diese Person oder Macht tun?
2. Thessalonicher 2,3.4
Anmerkung: Gemäss den Aussagen des Apostels Paulus wirkte diese Macht bereits in seinen Tagen. Ihre offene und eigentliche Entfaltung wurde jedoch noch aufgehalten, so dass sie sich anfänglich noch nicht voll offenbaren konnte. Diese Macht wird auch das "Geheimnis der Bosheit" genannt (2. Thess. 2,7). Sie sollte sich "als ein Gott in den Tempel Gottes - die Gemeinde Gottes - setzen und sich als Gott ausgeben".
5. Was für Reden führte dieses Horn?
Daniel 7,25
6. Welche Veränderung masste sich dieses Horn an?
Daniel 7,25
Anmerkung: Es kann sich hier nicht um eine Veränderung menschlicher Gesetze handeln, denn solche Veränderungen werden in allen Staaten vorgenommen. Es wäre daher nichts Besonderes, das der Erwähnung wert wäre. Doch wenn der Angriff dem Gesetz Gottes gelten sollte, dann wäre ein solcher Änderungsversuch von besonderer Bedeutung, weil Christus selber sagte, das Gesetz Gottes werde solange bestehen wie der Himmel und die Erde. Nicht der kleinste Buchstabe oder ein Tüpfelchen des Gesetzes würde aufgehoben (siehe Matthäus 5,17-20). Nur durch den Versuch, Gottes Gesetz zu ändern, könnte sich jemand selber über Gott erhöhen. Eine solch verwegene Tat würde dann den Gedanken in sich bergen, der Schöpfer sei dem Geschöpf untergeordnet.
Wir wollen uns nun der Literatur der Katholischen Kirche zuwenden um zu sehen, ob diese Kirche tatsächlich die Verantwortung für solch eine Veränderung übernimmt, ob sie bestätigt, Gottes Gesetz verändert zu haben um auf diese Weise die christliche Welt dahin zu bringen, einen anderen Ruhetag, den Sonntag, zu beachten. Wir lesen dazu:
Frage: Welches ist der Sabbattag?
Anwort: Der Samstag ist der Sabbattag.
Frage: Warum halten wir den Sonntag anstelle des Sabbats?
Antwort: Wir halten den Sonntag anstelle des Sabbats, weil die Katholische Kirche anlässlich des Konzils zu Laodizea (336 n.Chr.) die Heiligkeit vom Samstag auf den Sonntag übertragen hat." Reverend Peter Geiermann, Convert's Catechism, (London: 1934), 50. Vom Vatikan genehmigt, 25. Januar 1911; Zitiert in Facts of Faith, (Southern Publishing Associtation, 1943), Seite 293.
"Du magst die Bibel von 1. Mose bis hin zur Offenbarung durchlesen und du wirst nicht eine einzige Stelle finden, die die Sonntagsheiligung rechtfertigt. Die Schrift gebietet die religiöse Beachtung des Samstags, einen Tag, den wir (Katholiken) nie heiligen." Faith of Our Fathers, 89, von James Cardinal Gibbons, James Murphy Company, New York 1917.
"Die Protestanten lehnen oft die Autorität der Kirchen-Tradition ab und behaupten, sich nur an die Bibel zu halten. Doch auch sie sind durch die Gewohnheiten der ehemaligen Kirche geleitet worden, die von der Bibel nicht gestützt werden, sondern nur auf Kirchen-Tradition beruhen! Ein schlagendes Beispiel hierfür ist das folgende: Das erste (in Bejahungs-Form geschriebene) Gebot im Dekalog lautet 'Gedenke des Sabbattags, dass du ihn heiligst,' und dieses Gebot wurde durch die Juden während Jahrtausenden eingeschärft. Aber der Sabbattag, dessen Beachtung Gott gebot, war unser Samstag. Doch wer unter den Katholiken oder Protestanten - mit Ausnahme einer oder zweier Sekten wie die 'Siebenten-Tags-Baptisten'- hält heute dieses Gebot? Keiner! Warum nicht? Die Bibel, der allein zu gehorchen die Protestanten vorgeben, gibt keine Billigung für die Einsetzung des ersten Tages der Woche anstelle des siebenten. Aufgrund welcher Autorität haben sie dies demnach getan? Ganz offensichtlich aufgrund der Autorität genau dieser katholischen Kirche, die sie verliessen und deren Traditionen (Überlieferungen) sie nun verurteilen." Rebuilding a Lost Faith, 80, von John L. Stoddard, P.J. Kenedy & Sons, New York, 1922.
7. Welche Veränderung geschah unter den anderen zehn Hörnern?
Daniel 7,24
Anmerkung: Als sich das Christentum unter den Barbaren ausbreitete, wurde es von immer mehr Menschen angenommen. Innerhalb der christlichen Gemeinde kam es zu einer Spaltung. Drei der barbarischen Stämme nahmen den wahren Glauben gemäss der Bibel an, während der Rest der Christengemeinde weitgehend dem Bischof von Rom folgte. Diese drei Stämme waren die Vandalen, die Ostgoten und die Heruler. Die unterschiedliche Glaubensauffassung führte zu Feindschaft zwischen den beiden Parteien. Mit der Unterstützung Justinians, des Kaisers im Osten, waren bis zum Jahre 538 n.Chr. diese drei Völker bezwungen und verschwanden von der Bühne der Weltgeschichte. Damit fand die Prophezeiung, dass drei Hörner ausgerissen werden sollten, ihre Erfüllung.
8. Wie würde diese Macht Gottes wahres Volk behandeln?
Daniel 7,25
Anmerkung: Das Weltreich Rom fiel, weil es Gottes Wahrheit ablehnte und es wagte, gegen Christus zu kämpfen und über seine Nachfolger Macht auszuüben. Aus den Trümmern des heidnischen Roms und aus den Nationen, die sich durch den Fall Roms gebildet hatten, sollte eine andere Macht emporkommen, die diesen Kampf fortsetzen und für bestimmte Zeit sogar den Sieg über Gottes Volk davontragen würde. Siehe Daniel 7,21. Neuzeitliche katholische Autoritäten versuchen verständlicherweise, die schlimmsten religiösen Grausamkeiten, die die Kirche begangen hat, mildernd darzustellen. Trotzdem streiten diese Sachkundigen nicht ab, dass sich diese Dinge auch wirklich zugetragen haben.
9. Wie lange sollte diese Macht den Sieg über Gottes Volk behalten?
Daniel 7,25
Anmerkung: Der Begriff "Zeit" ist abgeleitet von einem Wort, dessen wörtliche Bedeutung "Jahr" ist. Zwei Zeiten entsprechen demnach zwei Jahren, während eine halbe Zeit ein halbes Jahr bedeutet. Weiter müssen wir beachten, dass das jüdische Kalenderjahr 360 Tage umfasste. Eine Zeit + (zwei) Zeiten + eine halbe Zeit = 3 1/2 Jahre, prophetische Zeit oder 1260 Tage. In der Prophetie steht ein Tag für ein Jahr. Die Bibel liefert uns zwei Beispiele, wo dieses Umrechnungs-Prinzip angewendet wird: 4. Mose 14,32-34 und Hesekiel 4,6. Daraus können wir ableiten, dass die 3 1/2 Jahre oder 1260 Tage prophetischer Zeit 1260 effektive Jahre darstellen. Die Richtigkeit dieser Theorie überprüfen wir, indem wir 1260 Jahre zum Anfangsdatum 538 dazuzählen. Als Ergebnis erhalten wir das Jahr 1798. Damit kommen wir in die Zeit der französischen Revolution, als Napoleons Armeen Europa durchkreuzten und Monarchie und Kirche zerstörten. Der französische General Bérthier zog nach Rom, nahm den damals regierenden Papst gefangen und brachte ihn nach Frankreich, wo er die letzten Tage seines Lebens im Exil verbrachte. Während einer verhältnismässig kurzen Zeit war die Kirche ohne sichtbares Oberhaupt. Die Verfolgungen hatten einige Zeit vorher sozusagen ganz aufgehört. Das Papsttum war vorderhand als Weltmacht bezwungen.