Lektion 23 - Das Heiligtum wird gereinigt
Dass das zu reinigende Heiligtum, auf das sich Daniel 8,14 bezieht, nicht das Heiligtum in Jerusalem sein kann, geht daraus hervor, dass die Prophezeiung für die Erfüllung auf eine Zeit hinweist, die Jahrhunderte nach der Zerstörung des Tempels in Jerusalem liegt - eine Zeit also, in der das Heiligtum in Jerusalem längst nicht mehr existierte. Der Schlüssel zum richtigen Verständnis von Daniel 8,14 ist in den Kapiteln Hebräer 8 bis 10 zu finden. Hier ist nicht nur die Rede von einem irdischen Heiligtum und Dienst darin, sondern auch von einem Tempel im Himmel in dem Christus für uns vor Gott eintritt.
1. Wovon war das irdische Heiligtum ein Schatten oder ein Abbild?
Hebräer 8,5
Anmerkung: Das Heiligtum im Himmel, in dem Jesus für uns seinen Dienst verrichtet, ist das große "Original", während das von Mose erbaute Heiligtum ein Abbild, eine "Kopie" desselben war. Gott erfüllte die Bauleute mit seinem Geist und die kunstvolle Fertigung liefert den Beweis für die göttliche Weisheit. Darin wird für uns Menschen die Herrlichkeit des himmlischen Tempels sichtbar, wo Christus für uns dient. Das irdische Heiligtum mit seinen Diensten war ein Anschauungsunterricht. Die grossen Wahrheiten bezüglich des himmlischen Heiligtums und des Erlösungswerks, das dort für uns vollbracht wird, wurden auf eindrückliche Art und Weise gelehrt.
2. Was war zu tun, wenn jemand gesündigt hatte und nun Vergebung wünschte?
3. Mose 4,27-29
Anmerkung: Der Sünder musste das Tier mit eigenen Händen schlachten. Aber bevor er dies tat, legte er seine Hände auf den Kopf des Tieres und bekannte seine Sünden darauf. Die Sünden, d.h. die Schuld, wurden so symbolisch auf das Opfertier übertragen. Das Tier trat an die Stelle des Sünders und starb für dessen Sünden.
3. Was geschah mit dem Blut des Opfertiers, wenn ein Priester gesündigt hatte und für ihn Sühne zu schaffen war?
3. Mose 4,3-6
Anmerkung: Es ist offensichtlich, dass nicht das Blut eines jeden Opfertiers in das Heilige (erste Abteilung) gebracht und vor den Vorhang zum Allerheiligsten (zweite Abteilung) gesprengt werden konnte. Deshalb verfügte Gott, dass wenn jemand aus dem gewöhnlichen Volk gesündigt hatte, der Priester einen Teil des Blutes des Opfertiers auf den grossen Altar im Vorhof sprengen sollte.
4. Was musste der Priester tun, wenn das Blut nicht direkt ins Heiligtum gebracht wurde?
3. Mose 6,25.26
Anmerkung: Wenn der Priester einen Teil des Fleisches ass, dann trug er (symbolisch) gleich Christus "die Sünden der Gemeinde" an seinem eigenen Leib (siehe 3. Mose 10,17). Wenn dann der Priester später erneut ein Opfer darbrachte, trug er das Blut ins " Heilige". Dieses Blut stellte nun sowohl seine eigenen Sünden (Schuld) als auch jene des Volkes dar. So wurde in der einen oder andern Weise eine Aufzeichnung (oder ein Bericht) von jedermanns bekannten und vergebenen Sünden im "Heiligen" des Heiligtums aufbewahrt bzw. sichergestellt.
5. Konnte das Blut von Opfertieren wirklich Sühne schaffen für begangene Sünden?
Hebräer 10,4
Anmerkung: Es war eine Tatsache, dass das Blut von Tieren an und für sich in keinem Fall eine Versöhnung für begangene Sünden bewirken konnte. Doch wenn eine Person Vergebung wünschte und ein Tier darbrachte, dann wurden ihre Sünden tatsächlich vergeben und es wurde eine Versöhnung bewirkt. (Siehe 3. Mose 4,20.26.31.35). Das Blut von Tieren hatte in sich keinen Wert, aber in Gottes Augen war es deshalb wertvoll, weil der Sünder durch diese Handlung seinen Glauben an Christus, der für die Sünden starb, zum Ausdruck brachte. (Siehe 1. Korinther 15,3).
6. Was rettet uns? Was sagt Paulus an anderer Stelle?
Römer 5,10
Anmerkung: Der hohepriesterliche Dienst, den Christus im himmlischen Heiligtum verrichtet, ist für unsere Erlösung genauso notwendig wie sein Tod am Kreuz. Denn Hebräer 9,12 lehrt uns, dass Christus ein für alle Mal in das Heilige eingegangen ist durch sein eigenes Blut und so eine ewige Erlösung erworben hat.
7. Welche Handlung war mit den jährlichen Diensten wegen den im Heiligtum aufgehäuften (aufbewahrten) Sünden des Volkes verbunden?
3. Mose 23,27; 16,29.30
8. Warum war diese Versöhnung notwendig?
3. Mose 16,16
Anmerkung: Bis zu diesem Zeitpunkt ging es beim Heiligtumsdienst nur darum die Sünden (Schuld) vom Volk wegzunehmen und auf das Heiligtum zu übertragen. Sünde ist aber so abscheulich, dass selbst der Bericht über die bekannten Sünden das Heiligtum verunreinigte. Deshalb musste das Heiligtum durch eine besondere Handlung oder einen besonderen Dienst am Grossen Versöhnungstag von den angehäuften Sünden gereinigt werden. Diese Sünden mussten irgendwie weggeschafft werden.
9. Wer musste ausser dem Heiligtum auch noch versöhnt werden?
3. Mose 16,30-33
10. Was verlangte Gott vom Volk während dieser Dienst am grossen Versöhnungstag vollzogen wurde?
3. Mose 23,26-30
Anmerkung: Während dieser feierlichen Zeit wurde das Volk zu besonderer Teilnahme aufgefordert. Während der Hohepriester im Heiligtum (im Allerheiligsten) die Versöhnung vollzog, musste die Sünde aus dem Leben eines jeden einzelnen vom Volk verbannt werden. So wie die Sünde zeremoniell aus dem Heiligtum entfernt wurde, so wahrhaftig wurde sie auch vom Volk entfernt. Sie mussten nicht mehr die einzelnen Sünden bekennen, denn dies musste zum Zeitpunkt geschehen, da die Tat begangen wurde. Aber jetzt galt es, sich von jeglicher sündigen Tat und von jeglichem sündigen Handeln abzuwenden, damit sie völlig geheiligt wären - ein heiliges Volk. Heiterkeit, Scherz und Belustigung, wenn auch zu andern Zeiten akzeptabel, musste während dieser heiligen und feierlichen Zeit unterbleiben. Der grosse Versöhnungstag war für das Volk Israel Entscheidung über Leben und Tod. Alle, die nicht daran teilnahmen, mussten aus der Gemeinde ausgerottet werden. Wer am Versöhnungsdienst keinen Anteil nahm, der wurde von Gott aus der Gemeinde vertilgt. So war dieser Tag im wahrsten Sinne des Wortes ein Gerichtstag für Israel.
11. Ist im himmlischen Heiligtum auch etwas, das gereinigt werden muss?
Hebräer 9,22.23
Anmerkung: So wie im Alten Bund die Sünden des Volkes Israel bildlich auf das irdische Heiligtum übertragen wurden, so werden im Neuen Bund die Sünden aller, die bereuen, durch den Glauben auf Christus und durch ihn auf das Heiligtum übertragen. Im himmlischen Heiligtum wird über alles, was auf Erden geschieht, Bericht geführt. Genauso wie es eine Reinigung des irdischen Heiligtums gab, damit jene Sünden, die symbolisch dahin übertragen worden waren, weggeschafft wurden, so musste auch das himmlische Heiligtum von jenen Sünden gereinigt werden, die bekannt und vergeben worden waren. Analog dem irdischen Dienst umfasste die Reinigung des himmlischen Heiligtums mehr als nur das Heiligtum selbst.
12. Wozu rief der Apostel Petrus die Gläubigen seiner Tage in Anbetracht dieser Gerichtszeit auf?
Apostelgeschichte 3,19
Anmerkung: Wenn auch der reumütige Sünder jederzeit sofortige und bereitwillige Vergebung haben konnte, so war doch die Austilgung des Berichtes über die Sünden ein Ereignis, das noch in der Zukunft lag.
13. Was wünscht Christus nebst der Vergebung unserer Sünden noch für uns zu tun?
1. Johannes 1,9
In vergangenen Zeiten blickten die Menschen auf einen künftigen Gerichtstag, der nach ihrem Tod stattfinden sollte (siehe Hebräer 9,27.28). Aber nun ist der Gerichtstag im Gange, während Menschen auf Erden leben. An so vielen Stellen warnt uns die Bibel davor, unsere Entscheidung für die Erlösung hinauszuschieben, um die Sünde noch etwas länger zu geniessen. Dieses Aufschieben hat zu allen Zeiten grosse Gefahren mit sich gebracht. Jemand konnte unerwartet sterben, und dann war sein Schicksal für immer entschieden. Doch der Tag wird kommen, wenn die Möglichkeit, sich bekehren zu können, nicht mehr länger bestehen wird. Jesus brauchte das Gleichnis der 10 Jungfrauen (siehe Matthäus 25), um damit zu zeigen, wie ernsthaft diese Angelegenheit besonders für jene Generation sein wird, die auf Erden lebt, wenn er wiederkommen wird.
Wenn Christus das himmlische Heiligtum verlässt, dann wird das Schicksal der Menschen für alle Zeit entschieden sein. "Wer böse ist, der sei fernerhin böse, und wer unrein ist, der sei fernerhin unrein; aber wer fromm ist, der sei fernerhin fromm, und wer heilig ist, der sei fernerhin heilig. Siehe, ich komme bald und mein Lohn mit mir, zu geben einem jeglichen wie seine Werke sind." Offenbarung 22,11.12
Nur wer Christus, unserem Hohenpriester im himmlischen Heiligtum, erlaubt hat, ihn von allen Sünden in seinem Leben zu reinigen, wird in der Lage sein, ihm bei seiner Wiederkunft in Frieden zu begegnen. "Und [sie] sehen sein Angesicht, und sein Name wird an ihren Stirnen sein." Offenbarung 22,4.